Rumänischer Zeitungsartikel Nov. 1999

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Artikel vom Nov. 1999

Artikel von Okt. 2004

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Übersetzter Artikel aus der rumänischen Zeitung "Transilvania Expres" aus Brasov, vom 04.11.1999.


Deutsche schenken rumänischen Kindern ein Stück Brot

Auf Initiative des Christlichen Zentrums Brasov, bekommen seit Anfang dieses Schuljahres Kinder der Grundschule Nr. 8 Brasov, die in besonders großer sozialer Not sind, täglich in der großen Pause ein kostenloses Sandwich. Die 112 Schüler - etwa 10% der Gesamtzahl - kommen aus kinderreichen Familien, wo ein oder beide Elternteil(e) arbeitslos, behindert oder verstorben ist/sind. Zusätzlich sind es noch 150 Schüler aus Crizbav, die schon seit dem zweiten Trimester des vorigen Schuljahres kostenlose Pausenbrote bekommen. "Eine Lehrerin, Geta Cräciun, erzählte mir, dass Schüler öfters wegen schlechter Ernährung kraftlos sind und sogar schon während dem Unterricht ohnmächtig wurden ", erklärt Kurt Bottesch, der Vertreter des Christlichen Zentrums Brasov. Er wandte sich daraufhin an die, die schon unzählige Male beigetragen hatten, um Notdürftigen zu helfen; und zwar an Stiftungen und Sponsoren der Ortsgemeinden aus Deutschland. Zu ihnen gehört auch der Bürgermeister der Ortschaft Moselkern, Günter Weckbecker. "Wir arbeiten seit längerer Zeit zusammen. Der Herr Bürgermeister ist zum 17. mal in Rumänien, um Hilfsgüter (Kleidung, Schuhe, Medikamente) zu bringen", meint Herr Bottesch. Herr Weckbecker besuchte Anfang dieser Woche die Grundschule Nr.8 und ließ sich mit den glücklichen Nutznießern fotografieren. Er wollte sehen, wie die Aktion praktisch durchgeführt wird, um den Spendern in Deutschland versichern zu können, dass ihre Hilfe am Bestimmungsort ankommt. Zu den zahlreichen deutschen Sponsoren, die von Herrn Weckbecker vertreten werden, gehört auch die regionale Tageszeitung "Rhein Zeitung". Sie gründete die Stiftung "Helft uns leben" und hat tausende DM für diese Aktion gesammelt. "Was ich hier sehe, erinnert mich an meine Kindheit, als die Amerikaner uns Deutschen Sandwich's brachten. Wir wollen diese Aktion so lange wie möglich fortsetzen, können aber keine Langzeitversprechen machen", meint der deutsche Bürgermeister. Er erwähnte auch, dass die Fahrten nach Rumänien wegen der langwierigen Bürokratie und den Schikanen seitens rumänischer Grenzer, jedes Mal eine sehr große nervliche Belastung wären: "Jedesmal wenn wir kommen, gibt es neue Gesetze und Verordnungen, so dass die Zollformalitäten uns stundenlang an der Grenze festhalten; man möchte alles aufgeben. Die einzige Entschädigung sind die strahlenden Gesichter derer, die Hilfe empfangen; und die Belohnung, die wir im Himmel erhoffen", sagt Herr Weckbecker. Die erste Reise nach Rumänien machte er, der Bitte eines christlichen Missionswerks entsprechend, als Schofför im Rahmen eines Hilfsgütertransports für ein Waisenhaus in Dorohoi. Betroffen von dem Gesehenen beschloss er, sich mehr in solche Aktionen zu investieren und auch andere Hilfsorganisationen einzubeziehen. Seit damals kommt er zwei Mal pro Jahr, seinen Urlaub opfernd, um Menschen aus Brasov und Umgebung zu helfen. Dabei hilft ihm das Christliche Zentrum Brasov, das sich als eine neoprotestantische Gemeinde bezeichnet, die Bibel als Fundament anerkennt und anstrebt das ganze Wort Gottes auszuleben. "Wir predigen ein reales, lebendiges Christentum, nach der Lehre der Schrift; wir versuchen das Wort mit der Tat in Einklang zu bringen", erklärt Herr Bottesch. Die Lehrerin Elisabeta Sincan, durch die diese Aktion in der Grundschule Nr. 8 begonnen hat, sagt über Herrn Bottesch, der einer der wenigen Sachsen ist, die im Land geblieben sind: "Er ist ein Beispiel, ein Segen für viele arme Familien."

Ein Beispiel wäre eine Familie mit 8 Kindern, deren Vater gestorben ist. Durch die Großzügigkeit der Sponsoren aus Deutschland wurde die kranke Mutter zur Untersuchung und Behandlung nach Deutschland gebracht. Leider konnte ihr Leben nicht gerettet werden. Aber sie ist in der Gewissheit gestorben, dass ihre Kinder durch eine großzügige Spende eine gesicherte Existenz in Form einer Lebensrente haben und dass die Raten für den Kauf einer Wohnung bereit gestellt werden. Jetzt wachsen die Kinder in Obhut ihrer größten, 24 Jahre alten Schwester in der oben erwähnten Wohnung auf.

Die Leiterin der Grundschule Nr. 8 Brasov, Frau Ana Nicolae, hat vorgeschlagen, im Rahmen einer Eltern-Sitzung über die Themen: Großzügigkeit und Dankbarkeit zu sprechen. "Die Kinder haben sich daran gewöhnt, dass ihnen alles zusteht und sie schätzen das, was ihnen geboten wird, nicht genug. Sie sollten sich auch einmal fragen, was sie für andere machen könnten."

von Liliana Jighira